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Ausgabe 4/2018

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Inhalt

Editorial

Die Digitalisierung ist ein epochales Geschehen! Ihrem Einfluss kann sich kaum mehr ein menschliches Tun entziehen, sie beeinflusst unser Denken und unsere Art zu verstehen, unsere Tätigkeiten, unser kulturelles Selbstverständnis und unsere Lehr- und Lernprozesse. Welche Möglichkeiten dieser Technologisierungsschritt aktuell für die Fachdidaktik der Ernährungs- und Verbraucher*bildung (EVB) bietet, wird in der vorliegenden Ausgabe diskutiert. Eine notwendige Kritik muss vorläufig ausbleiben und wird auf die Zeit nach der digitalen Euphorie verschoben, die derzeit alle Bildungsinstitutionen erfasst hat.
Den Anfang macht Claudia Angele, indem sie die Bildungsanliegen der EVB mit dem Globalisierten Lernen verknüpft und digitale Konsumszenarios für Studierende sowie die Anwendung einer Abfallvermeidungsapplikation für Schülerinnen und Schüler zu kompetenzorientierten Lernanlässen vorstellt. Josef Buchner geht ein paar Schritte weiter, führt in augmentierte und virtuelle Realitäten, mit dem Ansatz des „Learning by Design“ und Modellen der Wirksamkeitserforschung, die diesen Ansatz betreffen. Ausgewählte digitale Elemente einer zukunftsweisenden Hochschullehre und ihre Anwendungsmöglichkeiten stellt Susanne Aichinger vor.
Mit einem Imperativ fordert
Michael Wukowitsch auf, Gestaltungsprinzipien für passgenaue Lehr- und Lernvideos im Besonderen und digitale Werkzeuge im Allgemeinen für den Unterricht in EVB zu verwenden. Die Möglichkeit den zeitgemäßen Unterricht durch Erklärvideos zu unterstützen greift Susanne Obermoser auf, lässt forschungsorientierte Studierende solche nach Schlüsselfragen gestalten und ihre Lernwirksamkeit bewerten. Die Forscherinnengruppe Susanne Miesera, Patrizia Weidenhiller, Sinja Kühlenthal und Claudia Nerdel verknüpft die Medienkompetenz mit der Experimentierkompetenz: Experimentierschritte werden mittels Videos dokumentiert und daraus Vermutungen und Erkenntnisse abgeleitet.
Welche Orientierung kann die EVB der Präsenz von Influencern, Bloggern etc. in sozialen Medien entgegenstellen? Diesen Fragen gehen
Martina Überall und Maria Lerchbaumer sowie Ines Waldner in ihren Beiträgen nach.
Der Begriff „Ernährungs- und Verbraucher*bildung“ ist bezüglich der gendergerechten Formulierung immer ein Sorgenkind. Das Redaktionsteam dieser Ausgabe hat sich für die kreative Variante „Verbraucher*bildung“ entschieden, um auf diesen Umstand wieder einmal aufmerksam zu machen und das fehlende „-innen“ deutlich zu platzieren.
Möge diese Ausgabe der trinationalen Weiterentwicklung unseres gemeinsamen Interesses der Fachdidaktik EVB dienlich sein!

Gabriela Leitner

gemeinsam mit dem Redaktionsteam des TNE: Claudia Angele, Gerda Kernbichler, Brigitte Mutz, Susanne Obermoser, Katharina Salzmann-Schojer, Veronika Schnetzinger, Christine Schöpf, Birgit Wild

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Claudia Maria Angele
Didaktische Varianten von E-Learning vor dem Hintergrund zentraler Bildungsanliegen der Ernährungs- und Verbraucher*bildung im Kontext Globalen Lernens

Didaktische Varianten von E-Learning werden im Hinblick auf zentrale Bildungsanliegen einer Ernährungs- und Verbraucher*bildung (EVB) im Kontext Globalen Lernens reflektiert. Dabei handelt es sich einerseits um den Einsatz virtueller Szenarien einer 3D-Welt als Lernszenarien in der Hochschuldidaktik und andererseits um den Einsatz einer App zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung im Unterricht der Sekundarstufe.
Schlüsselwörter: Globales Lernen, E-Learning, virtuelle 3D-Szenarien, Hochschuldidaktik, App im Unterricht

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1 Einleitung

Die „Lösung eines Bildungsanliegens“ sei, so Kerres (2008, S. 121) immer als zentrales Ziel mediendidaktisch unterstützter Lernarrangements zu betrachten. Dies gelte auch für den Einsatz digitaler Medien (Kerres, 2008, S. 121). Dabei stellt sich die Frage, ob bzw. welche Bildungsanliegen der Ernährungs- und Verbraucher*bildung durch die Nutzung digitaler Medien und digital unterstützter Lernarrangements besonders in den Fokus gerückt werden können.
Ein zentrales Bildungsanliegen der Ernährungs- und Verbraucher*bildung besteht – kurz gefasst – darin, junge Menschen auf ein selbstbestimmtes Leben als essende Menschen und als Konsumentinnen und Konsumenten in einer lokal bis global komplexen und vernetzten Gesellschaft vorzubereiten, wie dies beispielsweise in den Bildungszielen nach REVIS (Heseker, Schlegel-Matthies, Heindl & Methfessel, 2005, S. 22) sowie im Referenzrahmen der Ernährungs- und Verbraucher_innenbildung in Österreich (EVA) (Thematisches Netzwerk Ernährung, 2015) grundgelegt ist. Die Bildungsanliegen der Ernährungs- und Verbraucher*bildung stehen dabei auch in enger Beziehung zu Bildungsanliegen des Globalen Lernens, wie dies beispielsweise in Angele (2017a; 2017b) explorierend dargelegt wurde (vgl. Kapitel 2 des vorliegenden Beitrags).

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Josef Buchner
Digital kompetent durch und mit Fachunterricht!

Dieser Artikel beschreibt, wie angehende Lehrkräfte darauf vorbereitet werden können, Unterricht digital-angereichert zu gestalten. Durch den Ansatz Learning by Design haben Studierende eigene digitale Lernmaterialien gestaltet, die jetzt als OER allen Lehrkräften zur Verfügung stehen. Bei der Evaluation der Intervention hat sich gezeigt, dass die Studierenden sowohl technologisches, als auch pädagogisch-didaktisches Wissen erwerben und anwenden konnten.
Schlüsselwärter: TPACK, digi.kompP, Learning by Design, Technologie, Forschung

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1 Einleitung
Wie wichtig das Fach „Haushalt und Ernährung“ ist, hat eine Studie der WHO erst kürzlich wieder gezeigt. Wir werden älter, aber in dieser Zeit leben wir meist länger in Krankheit. Kinder und Jugendliche müssen für dieses Fach nicht nur begeistert, sondern für dessen Bereiche fit gemacht werden. Zu viele Pseudo-Informationen und unwissenschaftliche Aussagen finden sich im Internet, als dass im Fachunterricht die digitale Welt nicht mitberücksichtigt werden müsste. Möglich gemacht hat diese Informationsflut die Prosumer-Generation, die jegliches Wissen über das Internet verbreitet. In den letzten Jahren wurde dies immer mehr von Anhängerinnen und Anhängern spezieller Diäten bzw. Ernährungsweisen genutzt. So finden sich z.B. über Paleo-Ernährung unzählige Blogs, auch „wissenschaftliche“ Artikel und vor allem kostenpflichtige Kurse mit Zugang zu einem schier unendlichen Pool an Rezepten, Informationsmaterialien, Artikeln, etc. Die Inhalte dieser propagierten Steinzeit-Ernährung decken sich jedoch nicht mit den Empfehlungen der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung. Hier kann ein Unterricht in Ernährung und Haushalt, der die (digitalen) Kommunikationskanäle der Jugendlichen mitberücksichtigt, faktenorientiert aufklären. Für eher praxisorientiertere Bereiche des E&H-Unterrichts lassen sich ganz leicht Verknüpfungen zur digital vernetzten Welt finden: unzählige Kochshows im Fernsehen und hunderte von YouTube-Kanälen, die auf stets noch innovativere Darstellungsformen setzen, um Rezepte an den Mann/an die Frau zu bringen. Über YouTube werden diese Rezepte nicht nur einfach erklärt, sondern Schritt für Schritt visualisiert angeleitet. Lehrerinnen und Lehrern ergeben sich durch diese Vielfalt an vorhandenen Materialien im Netz ganz neue Möglichkeiten ihre Schülerinnen und Schüler für diese so wichtige Kunst zu begeistern. Zudem kann

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Susanne Aichinger
Ausgewählte digitalisierte Elemente in der Hochschullehre

Das Schlagwort Digitalisierung ist aus unserer Lebens- und Arbeitswelt nicht mehr wegzudenken. Digitalisierung betrifft nicht nur alle Bereiche unseres Alltags sondern konfrontiert vor allem auch die Hochschulen mit strukturellen und strategischen Aspekten und stellt diese vor neuen Herausforderungen. Das führt zu einer wichtigen Neustrukturierung vieler Lernsituationen.
Schlüsselwörter: Digitalisierung, Hochschullehre, Didaktik, Lerndesign

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1 Angepasste Didaktik für neue Medien

Es ist an der Zeit, über Lernen, Lehren und Technologie nachzudenken: Nicht vorgeben, alte Rezepte seien nicht zu verbessern, weil es alte Rezepte sind. Nicht annehmen, neue Hilfsmittel würden eine neue Lern- und Lehrkultur etablieren. Sondern ausprobieren, nachdenken, wieder probieren und wieder nachdenken. Vorgaben hinterfragen, Praktiken hinterfragen, Techniken hinterfragen. Was nicht funktioniert, verwerfen; was funktioniert, verbessern. Immer aus der Perspektive derer, die Lernen. Ihre Bedürfnisse kommen zuerst. Das wäre der Paradigmenwechsel, der von der Didaktik zum Design von Lernumgebungen führen könnte. (Wampfler, 2014, S. 16)
Über den Mehrwert des Einsatzes von digitalen Formaten herrscht großteils Einigkeit. E-Learning ist ein elementarer Baustein in der Hochschullehre geworden und trägt zur Qualitätsverbesserung dieser bei. Durch Digitalisierung von Bildungsprozessen wird die Auswahl an didaktischen Möglichkeiten größer und vielfältiger (Vornberger, 2016).
Lerninhalte und Wissen werden einfacher und rascher einem Auditorium zugänglich gemacht, zeit- und ortsunabhängiges Lernen wird realisierbar und durch das Verbinden von Lernräumen wird inhaltliche und soziale Vernetzung möglich.
In Zusammenhang mit der Hochschullehre gilt hierbei allerdings ein wichtiger Grundsatz: Digitale Medien verfolgen keinen Selbstzweck, erst die Einbettung in ein didaktischen Konzept führt zu einem Mehrwert (Wannemacher, 2016).

Die vernetzte, komplexe Welt lässt keine einheitlichen Leistungsmaßstäbe mehr zu, deshalb wird es immer wichtiger, dass Lernende selbst beurteilen, welche Kompetenzen sie erworben haben. Lernen unter Einbezug digitaler Kommunikation

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Michael Wukowitsch
Vermehrt Digitales(!): Designbasiertes Schaffen von Gestaltungsprinzipien für Lehr-Lernvideos

Die Entwicklung digitaler Lernszenarien mit dem Ziel, diese fachgerecht und zielgruppenorientiert und effektiv zu implementieren, bedarf einiges an Vor-, Begleit- und Modifikationstätigkeit. Im vorliegenden Artikel werden Lehr-Lernvideos in der Ernährungs- und Verbraucher*bildung in der Sekundarstufe 1 mit der Methode des Design-Based-Research (DBR) qualitativ und quantitativ mit dem Zweck behandelt, Gestaltungsprinzipien zu generieren.
Schlüsselwörter: Lehr-Lernvideos, Gestaltungsprinzipien, Design-Based-Research, Creative Commons, Ernährungs- und Verbraucher*bildung.

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1 Einleitung

Die Vermittlung von theoretischen und praktischen Inhalten erfolgt im traditionellen Fachunterricht in der Ernährungs- und Verbraucher*bildung (EVB) fast ausschließlich Face to Face. Kombinationen aus virtuellen und nicht virtuellen Unterrichtsmethoden konnten vom Autor im Rahmen der Pädagogisch Praktischen Studien (PPS) bis dato im EH-Unterricht kaum beobachtet werden. Die Verwendung von digitalen Medien im Sinne eines Leitmedienwechsels (Döbeli Honegger, 2016, S. 45)ist in der Ernährungs- und Verbraucher*bildung somit trotz zahlreicher neuer Werkzeuge – nüchtern betrachtet - ausbaufähig.
Die Schule steht also vor der Herausforderung, anders sozialisierte Kinder und Jugendliche mit zusätzlichen, neuen Werkzeugen auf eine sich veränderte und noch unbekannte Berufs- und Lebenswelt vorzubereiten. Sie muss deshalb lernen, mit, über und trotz digitaler Medien ihrem Bildungsauftrag nachzukommen. (Döbeli Honegger, 2016, S. 45)
Lehr-Lernvideos können eine Möglichkeit bieten, den Unterricht durch virtuelle Angebote zu bereichern. Abgesehen davon sind sie für die Lernenden wieder aufrufbar, wenn man etwas öfters anschauen will bzw. für Wiederholungs- und Festigungszwecke im Unterricht bestens geeignet. Auch die generelle Nachfrage nach diesem Medium scheint zuzunehmen, denn seit mittlerweile zehn Jahren steigt die Nachfrage nach Lerninhalten in Videoform an (Ebner & Schön, 2013, S. 6).

Im Folgenden werden zunächst die Forschungsfragen eingegrenzt, um im Anschluss das Forschungsdesign, den Forschungsablauf und die Erhebungsinstrumente

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Susanne Obermoser
Einsatz moderner Medien im Unterricht: Unterstützung von Lernprozessen durch Lehr- und Lernvideos?

Die Mediatisierung der Gesellschaft erfordert von (Hoch-) Schulen eine Suche nach zeitgemäßen Lehr- und Lernformen. Der Einsatz von Videos im Unterricht erfreut sich dabei immer größerer Beliebtheit, doch was sollte bei der Verwendung beachtet werden und wie stehen die Studierenden den neuen Entwicklungen gegenüber? In einem forschenden Lehransatz mit Blended-Learning-Anteil wurde das Potential von Lehr- und Lernvideos ermittelt.
Schlüsselwörter: Forschendes Lernen, Medienbildung, Computerkompetenz, Begriffslernen

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1 Digitale Bildung und digitales Lernen

Smartphone, Computer, Internet und Fernseher zählen mittlerweile beim Großteil der österreichischen und deutschen Familien zum Standardinventar (Educationgroup, 2017; Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest [MPFS], 2017). Digitale Medien durchdringen aber nicht nur die Freizeit von Jugendlichen, sondern immer häufiger auch das schulische Umfeld. Die 12- bis 19-Jährigen verbringen täglich, unabhängig von der Schulart, etwa 45 Minuten und damit die Hälfte der gesamten Lernzeit für die Schule am Computer oder im Internet (MPFS, 2017): Die Jugendlichen nutzen das Internet als Informationsmedium und in erster Linie für Anfragen bei diversen Suchmaschinen. Zuhause wird das Internet deutlich häufiger genutzt als im Unterricht: „Der alltägliche Unterricht bleibt erstaunlich unberührt von der Omnipräsenz digitaler Medien in der Gesellschaft […]. In der Schule hat die digitale Revolution bisher nicht stattgefunden“ (Döbeli Honegger, 2016a, S. 8). Bislang finden von den modernen Medien im Schulalltag nur das Whiteboard und der Computer nennenswerten Einsatz (MPFS, 2017). Neue Medien und Technologien werden von den Lehrpersonen nach eigenen Angaben (noch) selten im Unterricht eingesetzt (Langgner, 2015) sowie vorrangig für Vorbereitung und Recherchetätigkeiten sowie Wiedergabe von (Online-) Videos genutzt (Educationgroup, 2017).
Die gesellschaftlichen Entwicklungen und Veränderungen der letzten Jahrzehnte, geprägt von Themen wie Globalisierung, Technologisierung oder Mediatisierung, stellen das System (Hoch-) Schule vor neue Herausforderungen und forcieren die Suche nach zeitgemäßen Formen des Lehrens und Lernens mit, über und trotz digitaler Medien (Geier, 2015; Döbeli Honegger, 2016a).

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Susanne Miesera, Patrizia Weidenhiller, Sinja Kühlenthal & Claudia Nerdel
Transfer eines didaktischen Konzepts – Experimentiervideos in der Lehrerinnen- und Lehrerbildung und im Unterrichtseinsatz

Der Einsatz digitaler Medien im Unterricht beruflicher Schulen setzt die pädagogische Medienkompetenz von Lehrkräften voraus. Das kombinierte Kompetenzkonzept fördert Medien- und Experimentierkompetenz durch die Umsetzung von digital gestützten Lernszenarien mit videografierten Experimenten. Lehrende und Lernende profitieren von einem Zuwachs der eigenen Handlungskompetenz in universitärer und schulischer Ausbildung.
Schlüsselwörter: Medienkompetenz, digitale Medien, Lehrerinnen- und Lehrerbildung, Lehr- und Lernvideos

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1 Digitaler Wandel in Schule, Beruf und Gesellschaft
Digitale Medien durchdringen inzwischen sämtliche Lebensbereiche, sie sind insbesondere für junge Menschen als Kulturtechnik selbstverständlich. So besitzen 97% der Jugendlichen ein Smartphone; 98% von ihnen verfügen über einen Laptop/Computer und Internetzugang im Haushalt (MPFS, 2017). Jedoch spielen digitale Medien nicht nur im privaten Bereich eine Rolle, sondern gewinnen auch im beruflichen Kontext an Bedeutung. Daher ist die Förderung digitaler Kompetenzen eine zentrale Aufgabe in Schule und Unterricht. Bereits der Beschluss der Kultusministerkonferenz [KMK] „Medienbildung in der Schule“ von 2012 postuliert die Entwicklung einer umfassenden Medienkompetenz durch Medienbildung als Pflichtaufgabe (Kultusministerkonferenz, 2012, S. 3). Mit der digitalen Agenda 2014-2017, dem Digitalpakt und der KMK-Strategie Bildung in der digitalen Welt von 2016 wurde der politische Rahmen für die Implementation des Lehrens und Lernens mit digitalen Medien an Schulen neu justiert. Umfasste Medienkompetenz bisher „Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten, die ein sachgerechtes, selbstbestimmtes, kreatives und sozial verantwortliches Handeln in der medial geprägten Lebenswelt ermöglichen“ (Kultusministerkonferenz, 2012, S. 3), geht das aktuelle Verständnis darüber hinaus (Sekretariat der Kultusministerkonferenz [KMK], 2016). Der Kompetenzbegriff wurde so weiterentwickelt, dass er einem Leben in einer künftig stark digital geprägten Welt gerecht wird. Deshalb gliedern sich nun die Kompetenzen in

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Maria Lerchbaumer & Martina Überall
#eNutrition, Food literacy vs. FakeNews - Vom kritischen Umgang mit Ernährungsinformationen im Web

Ernährung 2.0 im Kontext des postfaktischen Zeitalters birgt Chancen und Risiken. Im „WorldWiLdWeb“ kursieren auch Halbwahrheiten, verbreitet z.B. von InfluencerInnen, welche diese aus ökonomischen Gründen gezielt platzieren. Civic Online Reasoning sowie Food Literacy werden zum Schlüssel im (Ernährungs-)Unterricht, on- und offline.
Schlüsselwörter: Ernährungskommunikation, webbasierte Medien, Civic Online Reasoning, eNutrition/Food literacy

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1 Das postfaktische Zeitalter

Im Zeitalter der Informationsgesellschaft sind soziale Medien nicht mehr wegzudenken. Auch Ernährungsthemen sind ständig präsent und finden sich in unterschiedlichster Form im Internet wieder. Von Foodblogs über Vlogs von InfluencerInnen bis hin zu Rezeptdatenbanken finden sich im Web die verschiedensten Kanäle, die rund um das Thema Ernährung kommunizieren (Endres, 2016). Laut einer Umfrage der Techniker Krankenkasse Deutschland (2017) nutzen acht von zehn unter 30-Jährigen soziale Medien ganz regelmäßig, wovon jeder fünfte schon einmal sein Essen in der Online-Community geteilt hat.
Doch kann zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen und pseudowissenschaftlichen, quasi postfaktischen, Statements überhaupt noch differenziert werden und falls ja WIE?

Ziel dieses Artikels ist es, zu diskutieren, welche Chancen und/oder Risiken sich für den Ernährungsbereich und den Ernährungsunterricht ergeben. Kann Ernährung in sozialen Medien als Instrument genützt werden, um die Food literacy der Nutzer zu steigern? Die Industrie nützt soziale Medien, allen voran InfluencerInnen, bereits sehr gezielt, um diverse Produkte, insbesondere Lebensmittel, zu vermarkten. Könnten „food porns“ vielleicht sogar als Social Marketing Instrument zur Public Health Intervention genutzt werden?

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Ines Waldner
Reflexionen zur Relevanz der Influencer-Erscheinung in der zukünftigen Ernährungs- und Verbraucher*bildung

Auf Basis konsumorientierter Sozialstrukturen und Gesellschaftsentwicklungen im digitalen Zeitalter wird auf den Stellenwert von Influencern auf das Ernährungs- und Konsumverhalten von Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe eingegangen. Unter Bezugnahme fachpädagogischer Meinungen sollen diese Reflexionen als Impulse für zukünftige medienpädagogische Unterrichtsstrategien in der Ernährungs- und Verbraucher*bildung dienen.

Schlüsselwörter: Digitalisierung, Influencer, YouTuber, Ernährungs- und Verbraucher*bildung

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1 Vorwort

Unsere Zukunft ist unbestritten eine digitale, denn entsprechende Technologien determinieren auch gegenwärtig schon sämtliche Lebensbereiche. Digitalisierung als kultur- und soziorevolutionäre Entwicklung macht eine Auseinandersetzung mit ihren Prozessen unumgänglich, sei es auf technischer, wissenschaftlicher, ökonomischer, als auch als conditio sine qua non auf pädagogischer Ebene, wobei sich letztere besonders mit der Herausforderung des Leitmedienwechsels konfrontiert sieht (Honegger, 2016).

Der Computer als stellvertretendes Substantiv aller digitalen Prozesse bedingt dabei für die gesamte Gesellschaft „neue und überschüssige Möglichkeiten der Kommunikation“ (Baecker, 2007, S. 7). Zu diesen neuen Kommunikationsformen zählen auch die sozialen Medien. Im Zuge dieses Beitrags geht es um den speziellen Aspekt des mittlerweile omnipräsenten Webblogging-Phänomens, das zudem längst in signifikantem Ausmaß im marketingstrategischen Fokus liegt und den Begriffen „Influencer“ und „YouTuber“ zu öffentlicher Prominenz verhalf.1 Um dieser digitalen Erscheinung auf den Grund zu gehen, gilt es primär, gegenwärtige konsumorientierte Sozialstrukturen und die auf Digitalisierung basierten gesellschaftlichen Entwicklungen zu beleuchten.

Save the Date und Call for Papers
HaBiFo-Jahrestagung 2019
22./23. Februar 2019
TU Berlin
Zwischen Steigerungslogik und Postwachstum – Bildung für private Lebensführung

Am 22. und 23. Februar 2019 findet die Jahrestagung des Verbandes Haushalt in Bildung und Forschung (HaBiFo) statt. Sie wird in Kooperation mit dem Institut für Berufliche Bildung und Arbeitslehre der Technischen Universität Berlin – und dort vor allem mit Frau Prof. Dr. Nina Langen und Frau Prof. Dr. Silke Bartsch – durchgeführt. Die Tagung richtet sich an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Lehrerinnen und Lehrer sowie Studierende der Ernährungs- und Verbraucherbildung (EVB).
Alltagsbewältigung und Lebensgestaltung werden – so scheint es – zunehmend komplizierter und komplexer und dies, obwohl noch nie zuvor in der Geschichte so viele so gut und in Frieden leben konnten wie heute. Angesichts einer tatsächlichen oder gefühlten Ohnmacht der Verbraucherinnen und Verbraucher, einer wachsenden Normierung bei gleichzeitiger Individualisierung, der Digitalisierung von immer mehr Lebensbereichen bei gleichzeitiger Auflösung der Privatsphäre, der Erosion von vertrauten politischen und gesellschaftlichen Strukturen oder der ersten Folgen des kommenden Klimawandels stellt sich die Frage danach, was noch als Orientierung für die private Lebensführung nützlich ist und wie „gutes Leben“ gelingen kann. Ein immer mehr und neu in immer kürzeren Abständen, um die Wirtschaft am Laufen zu halten und Arbeitsplätze zu sichern (Steigerungslogik) auf der einen Seite und die Vorstellung einer „anderen“ Wirtschaft (Postwachstum) sind dabei zwei Gegenpole zwischen denen sich heute zahlreiche Orientierungsangebote platzieren.

Info:
http://www.habifo.de/fachtagung.html

Fachtagung Ernährung und Hauswirtschaft 2019
Digitaler Medieneinsatz mit Mehrwert – aktuelle und künftige Handlungsfelder in der beruflichen Fachrichtung Ernährung und Hauswirtschaft
11.-12.03.2019
Universität Siegen
Info:
https://www.htbb2019.uni-siegen.de

Die 20. Hochschultage Berufliche Bildung, in welche die Fachtagung eingebettet ist, stehen unter dem Rahmenthema „Digitale Welt – Bildung und Arbeit in Transformationsgesellschaften“. Auch für Berufe der Domäne Ernährung und Hauswirtschaft (E&H) stellt sich die Frage, wie die Digitalisierung Strukturen, Prozesse und Handlungsfelder verändert – insbesondere mit Blick auf den Dienstleistungsbereich, der in diesen Berufen besonders bedeutsam ist.
Dementsprechend zielt die Fachtagung der Bundesarbeitsgemeinschaft für Berufsbildung in der Fachrichtung Ernährung und Hauswirtschaft e.V. auf Fragestellungen zu den Auswirkungen der Digitalisierung auf die einschlägigen Berufe und auf die Veränderung der Anforderung in beruflichen Schulen, Betrieben und Hochschulen ab. Damit einher gehen auch Fragen rund um den Einsatz neuer Technologien in der beruflichen Aus- und Weiterbildung und im Berufsalltag. Es werden sowohl Aspekte zum Lernen mit den als auch über die digitale(n) Medien beleuchtet.
Im Fokus des fachlichen Austausches stehen dabei u.a. folgende Punkte: