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Ausgabe 02/2019

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Inhalt

Editorial

Alltagsbewältigung und Lebensgestaltung werden – so scheint es – zunehmend komplizierter und komplexer und dies, obwohl noch nie zuvor in der Geschichte so viele Menschen so gut und in Frieden leben konnten wie heute. Angesichts einer tatsächlichen oder gefühlten Ohnmacht der Verbraucherinnen und Verbraucher, einer wachsenden Normierung bei gleichzeitiger Individualisierung, der Digitalisierung von immer mehr Lebensbereichen bei gleichzeitiger Auflösung der Privatsphäre, der Erosion von vertrauten politischen und gesellschaftlichen Strukturen oder der ersten Folgen des (kommenden) Klimawandels stellt sich die Frage danach, was noch als Orientierung für die private Lebensführung nützlich ist und wie „gutes“ und „gelingendes“ Leben funktionieren kann. Ein „immer mehr und neu“ in immer kürzeren Abständen, um die Wirtschaft am Laufen zu halten und Arbeitsplätze zu sichern (Steigerungslogik) auf der einen Seite und die Vorstellung einer „anderen“ Wirtschaft (Postwachstum) sind dabei zwei Gegenpole, zwischen denen sich heute zahlreiche Orientierungsangebote platzieren.
So vielfältig wie die Anforderungen an die privaten Haushalte sind, die sich daraus ergeben, sind auch die thematischen Schwerpunkte der Beiträge dieses Heftes. Sie sind zum großen Teil aus den Vorträgen der diesjährigen Tagung des Verbandes Haushalt in Bildung und Forschung entstanden. Katharina Witterhold diskutiert Möglichkeiten und Grenzen politischen Konsums und zieht daraus Folgerungen für Verbraucherforschung und -bildung. Kora Kristof befasst sich mit gesellschaftlichen Veränderungsprozessen und fragt nach den zentralen Erfolgsfaktoren für gesellschaftliche Veränderungen. Mit dem Onlineshopping und dessen Chancen und Risiken für Verbraucherinnen und Verbraucher befasst sich Kirsti Dautzenberg, während Angela Häußler unbezahlte Care-Arbeit als knappe Ressource betrachtet, deren Bedeutung für gesellschaftliche Wohlfahrt betont und Folgerungen für haushaltsbezogene Bildung für Lebensführung ableitet.
Werner Brandl liefert einen Überblick über die Wahrnehmung der Lebenswelt und der alltäglichen Lebensführung als Gegenstand der Forschung. Claus Tully setzt sich mit dem gewandelten Alltag von Jugendlichen in der digitalen Welt auseinander und fordert eine stärkere Sensibilisierung für die Konsequenzen des kommerzialisierten Alltags. Kirsten Schlegel-Matthies geht der Frage nach, wie Ernährungs- und Verbraucherbildung Lernenden ermöglichen kann, selbstbestimmt und verantwortlich individuelle Vorstellungen von einem „guten“ und „gelingenden“ Leben umzusetzen. Im letzten Beitrag stellen Johanna Michenthaer & Anne von Laufenberg-Beermann das Blended-Learning-Angebot ProfESus zur Förderung des nachhaltigen beruflichen Handelns in hauswirtschaftlichen Betrieben vor.


Kirsten Schlegel-Matthies

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Katharina Witterhold
Konsum als politische Praxis? Transformation des Alltags als Herausforderung und Chance

Ethische oder politische Anliegen nebenbei, beim täglichen Einkauf (mit-)zuverfolgen, gilt als niederschwellige Beteiligungsform. Doch ist der gelegentliche Kauf von Bio-Produkten mit anderen Formen politischer Beteiligung gleichzusetzen? Der ethnographische Blick auf den Alltag politischer Verbraucherinnen und Verbraucher zeigt, dass das Konzept eines nur marktvermittelten politischen Konsums zu kurz greift.
Schlüsselwörter: Verbraucherbildung, politischer Konsum, Partizipation
Ethical or political concerns, incidentally, to pursue in daily shopping, is considered a low-threshold form of participation. But is the occasional purchase of organic products to be equated with other forms of political participation? The ethnographic view of the everyday life of political consumers shows that the concept of only market-mediated political consumption does not go far enough.
Keywords: consumer education, political consumption, participation

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0 Einleitung
Die Politisierung von Konsum beinhaltet potentiell die Chance zur Veränderung. Doch ist dieser Prozess keineswegs linear und absehbar. In dem DFG-geförderten Forschungsprojekt „Consumer Netizens“ wurden politische Konsumentinnen und Konsumenten in ihrem Alltag begleitet, um deren Bürgerschaftsverständnis im Zusammenhang mit ihrer Mediennutzung und ihren Konsumpraktiken zu untersuchen (vgl. Baringhorst, Yang, & Witterhold, im Erscheinen). Mittels dieses ethnographischen Zugangs konnte auch die Komplexität von politischem Konsum rekonstruiert werden. Die vor allem mittels Partizipationstagebüchern gewonnenen Erkenntnisse liefern eine Innensicht auf Praktiken politischen Konsums, die, wo sie nicht bisherigen Annahmen und Modellbildungen entgegenlaufen, diese doch beträchtlich relativieren oder erweitern. Ihnen zufolge erweist sich politischer Konsum keineswegs als Zeit und Kosten sparende Form der politischen Beteiligung, sondern birgt teils erhebliche Herausforderungen für die Verbraucherinnen und Verbraucher. Um einige Überlegungen bzgl. der mit der Transformation von Konsum durch dessen Politisierung verbundenen Chancen und Herausforderungen zu skizzieren, erfolgt hier zunächst die Verortung des Forschungsansatzes innerhalb

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Kora Kristof
Erfolgsbedingungen für gesellschaftliche Veränderungsprozesse

Ressourcenleicht, immissionsneutral, gerecht ─ das sind die zentralen Ziele der anstehenden großen Veränderungen, wenn wir die Belastungsgrenzen des Systems Erde, das Wohlergehen aller Menschen und die Idee einer globalen, generationenübergreifenden Gerechtigkeit ernst nehmen. Dafür reicht es nicht, sich mit dem „Was soll sich ändern?“ zu beschäftigen. Zu fragen ist auch: „Was sind die zentralen Erfolgsfaktoren für gesellschaftliche Veränderungen?“
Schlüsselwörter: Transformation, Erfolgsfaktoren für gesellschaftliche Veränderungen, Nachhaltigkeit, Models of Change
Resource-light, immission-neutral, equitable ─ these are the central goals of the upcoming major changes if we take seriously the limits of the system Earth, the well-being of all people and the idea of global, generation-spanning justice. But it is not enough to deal with the „What is to change?“. We must also ask: „What are the central success factors for social change?“.

Keywords: transformation, success factors for social change, sustainability, models of change

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1 Warum „Was soll sich verändern“ und „Wie können wir erfolgreich sein“ wichtig sind
Ressourcenleicht, immissionsneutral, gerecht ─ das sind zentrale Ziele der anstehenden großen Veränderungen, wenn wir die Belastungsgrenzen des Systems Erde, das Wohlergehen aller Menschen und die Idee einer globalen und generationenübergreifenden Gerechtigkeit ernst nehmen (z.B. Daschkeit, Kristof, Lorenz &Veenhoff, 2013; Jackson, 2009; Rockström, 2009; WBGU, 2011). Zwar wissen wir inzwischen in vielen Bereichen relativ genau, was getan und verändert werden muss oder was die entscheidenden Hebel im Teilsystem sind („Was soll sich ändern?“). Wesentlich weniger wissen wir über Erfolgsbedingungen, wie dieser (teilweise) schon stattfindende systemische Wandel unterstützt, stimuliert, erfolgreich gestaltet und dauerhaft verankert werden kann. Gerade in einer Zeit des Umbruchs stellt sich außerdem verstärkt die Frage: „Was sind die zentralen Erfolgsfaktoren für gesellschaftliche Veränderungen?“ Gesellschaftliche Umbrüche sind oft so komplex, dass einfache Vorstellungen zu den Zusammenhängen zwischen Ursache und Wirkung versagen. Um sich trotzdem in einer unübersichtlichen Welt

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Kirsti Dautzenberg

Marktwächter Digitale Welt: Schöne neue ShoppingWelt?
Seit dem Jahr 2009 kann ein stetiger Anstieg des Gesamtumsatzes im deutschen Online-Handel beobachtet werden; nahezu drei viertel aller Deutschen kaufen im Internet ein. Die Marktwächter beobachten und analysieren Verbraucherprobleme in der digitalen Welt. Anhand zweier vertiefender Untersuchungen werden exemplarisch Chancen und Risiken für Verbraucherinnen und Verbraucher im Online-Handel dargestellt und diskutiert.
Schlüsselwörter: Online-Handel, Preisdifferenzierung, elektronische Bezahldienstleistungen, Datenschutz, Datensicherheit, Transparenz
Since 2009, there has been a steady increase in total turnover in the German online trade; almost three quarters of all Germans shop on the Internet. Market watchdogs observe and analyse consumer problems in the digital world. Using two in-depth studies, opportunities and risks for consumers in online retailing are presented and discussed as examples.

Keywords: online commerce, price differentiation, electronic payment services, data protection, data security, transparency

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1 Systematische Marktbeobachtung aus Verbrauchersicht in der digitalen Welt

Mit den Marktwächtern bündeln die Verbraucherzentralen und der Verbraucherzentrale Bundesverband bundesweit Erkenntnisse über die Lage von Verbrauchern in der digitalen Welt. Sie beobachten und analysieren kontinuierlich das Marktgeschehen auf Grundlage von Verbraucherbeschwerden und empirischen Untersuchungen. Die Ergebnisse dieser vertiefenden Marktbeobachtung werden von den Marktwächtern regelmäßig der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt
(vgl. https://www.marktwaechter.de/).
Nachfolgender Beitrag beleuchtet am Beispiel zweier Anwendungsbereiche beim Online-Shopping die Licht- und Schattenseiten der digitalen Welt für Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland. Im ersten Abschnitt wird ein Überblick über den aktuellen Stand dynamischer und individualisierter Preisdifferenzierung im deutschen Online-Handel gegeben. Der zweite Abschnitt widmet sich dem Markt der Online-Bezahldienstleister und deren Umgang mit den Nutzerdaten hinsichtlich Sicherheit und Transparenz.

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Angela Häußler
Who cares? Sorgearbeit als individuelle Aufgabe und gesellschaftliche Herausforderung

Care-/Sorgearbeit im Haushalt wird überwiegend von Frauen übernommen, verbunden mit Einschränkungen für Lebensgestaltung und Einkommen. Aufgrund der ökonomischen und gesellschaftliche Ignoranz gegenüber unbezahlter, aber individuell und gesellschaftlich notwendiger Sorgearbeit entsteht eine strukturelle Rücksichtslosigkeit gegenüber Familien. In der Folge ist Care-Arbeit zu einer knappen Ressource geworden.
Schlüsselwörter: Care-Arbeit, Sorgearbeit, unbezahlte Arbeit, gesellschaftliche Arbeitsteilung, Haushaltsproduktion
Care work in the household is predominantly performed by women, with restrictions on lifestyle and income. Due to economic and social ignorance of unpaid but individually and socially necessary care work, a structural lack of consideration for families arises. As a result, care work has become a scarce resource.
Keywords: care work, unpaid work, social division of labour, household production

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1 Who cares? Gesellschaftliche Arbeitsteilung

Nach der Feierstunde des Deutschen Bundestages anlässlich 100 Jahre Frauenwahlrecht titelte die Bild-Zeitung am 18. Januar 2019: „Schäuble fordert: Männer sollen mehr im Haushalt helfen!“. Diese Schlagzeile bildet den Kern der Problematik recht eindrücklich ab: Wenn Männer im Haushalt lediglich helfen, wird dieser implizit als Zuständigkeitsbereich von Frauen definiert. Und wenn der Bundestagspräsident sich hierzu äußert, ist ein gesellschaftliches Interesse zu vermuten. Schäuble formuliert in seiner Rede deutlich differenzierter:
Bei aller Auseinandersetzung um die richtigen Mittel und Wege zur tatsächlichen Gleichstellung werden wir um eine Erkenntnis wohl nicht herum kommen: Dass wir die für unsere Gesellschaft unverzichtbaren Tätigkeiten, die auch heute noch ganz überwiegend Frauen unbezahlt verrichten, anders aufteilen müssen: Kindererziehung, Hausarbeit, Pflege. Eine weithin akzeptierte Erkenntnis, an deren Umsetzung Männer gelegentlich mit Nachdruck erinnert werden müssen. Erst wenn Frauen und Männer wirklich frei entscheiden können, wo sie die Prioritäten in ihrem Leben setzen wollen, ohne auf Beruf oder Familie oder gesellschaftliches Engagement zu verzichten, ist das Ziel erreicht. Die Geschichte der Emanzipation von Frauen lehrt: es könnte noch ein längerer Weg sein. (Bundestag)

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Werner Brandl
Conduct of everyday life – some views and insights

Everyday – according to Merriam-Webster and Cambridge Dictionary a term used for routinely, ordinary, typical, usual. That sounds like banality and triviality, habit and trot – in short: little excitement and nothing interesting at all! It is therefore not surprising that there are little reason and little interest in the scientific mainstream to discuss life-world and conduct of everyday life – in addition to references to simple necessity and private responsibility. A tour d’horizon – in the sense of an informative overview of topics discussed.
Keywords: life-world, everyday-life, conduct of everyday life, lifestyle

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1 Prologue

Everyday life is the most self-evident,
yet the most puzzling of ideas.
Felski, 1999, p. 15

There are lots of manuals for a good and healthy life, popular- or pseudo-scientific “signposts”, which also want to show people the way through the labyrinth to a successful life. Already in 1860, Ralph Waldo Emerson asked himself “a practical question of the conduct of life. How shall I live? We are incompetent to solve the times” (Emerson, 1860, p. 1) in his collection of nine essays The conduct of life, in parts, thematically grouped around practical life issues and meant, for example, that “every man is a consumer, and ought to be a producer” (Emerson, 1860, p. 73). Nowadays those are available for all imaginable situations, e.g., Skills for everyday life (Overton, 1990), “promotes skills such as following schedules, reading maps, finding help, planning a trip, and more”, Life skills. Stuff you should really know by now (Laflin, 2018) “with the essential knowledge to tackle life’s everyday challenges”, the WHO (World Health Organization; https://www.who.int/behealthy) Steps for a better health “being more active, eating healthy, and avoiding tobacco and harmful use of alcohol” or – modern pictographic – with tips for a healthy life (depicted in Figure 1). The need for it seems enormous and probably also a prerequisite being able to successfully master the life as a balance of contradictory demands and requirements as an individual task to reconcile the different, often contradictory factual, temporal but also meaningful and emotional needs and necessities of everyday life, and to integrate them into concrete action.

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Claus Tully
Jugend – Konsum – Digitalisierung: Aufwachsen in digitalen Welten

Der Alltag, nicht nur von Jugendlichen, erweist sich als kommerzialisiert. D.h. viele Handlungen setzen Geld voraus. Konsum ist entkoppelt und ‚flüchtig‘, er befriedigt keine konkreten Bedürfnisse und selbst der Besitz eines Gutes ist nicht mehr vorausgesetzt (z.B. Sharing). Wichtig werden Konsumoptionen. Da greifbare Bezüge verschwinden, muss Pädagogik dazu befähigen Bedingungen und Konsequenzen modernen Konsums auszumachen. Denn mehr denn je formt Konsum den Lebensalltag und unsere Alltagskultur.
Schlüsselwörter: Jugend, Bedürfnisse, Status, Konsum, Digitalisierung
Everyday life, not only of young people, is proving to be commercialized. In other words, many actions require money. Consumption is decoupled and ‚fleeting‘, it does not satisfy any concrete needs, and even the possession of a good is no longer presupposed (e.g., Sharing). Consumption options become important. Since tangible references disappear, pedagogy must enable to discern conditions and consequences of modern consumption. More than ever consumption is shaping everyday life and everyday culture..
Keywords: youth, needs, status, consumption, digitalization

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1 Einleitung

Konsum spielt in der Ökonomie, Soziologie, in der jugend- und generationsbezogenen Forschung wie auch in der Pädagogik eine wichtige Rolle. Junge Menschen von heute geben über ihre Alltagspraxis Hinweise auf anstehende und erwartbare gesellschaftliche Entwicklungen, der ‚next generation‘. Die Gesellschaft deutet moderne Technik in den Händen von Heranwachsenden wie auch die durch Digitalisierung erzeugte Dynamik als Fortschritt. Insofern steht Jugend stets für Veränderungen. Wie immer baut die nachfolgende Generation ihre eigene Gesellschaft auf.
Neu ist allerdings die Geschwindigkeit, in der sich Veränderungen bemerkbar machen. Aus der Analyse jugendbezogener Umgangs- und Handlungsweisen, können erwartbare Veränderungen aufgezeigt und Empfehlungen zur Förderung der Handlungskompetenz in Bezug auf Konsum abgeleitet werden.

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Kirsten Schlegel-Matthies
Haushaltsbezogene Bildung – quo vadis? Daseinsvorsorge und Lebensführung im Wandel

Der Beitrag* geht der Frage nach, wie haushaltsbezogene Bildung als Ernährungs- und Verbraucherbildung umgesetzt werden kann, damit Jugendliche selbstbestimmt und verantwortlich ihre individuellen Vorstellungen von einem „guten“ und „gelingenden“ Leben umsetzen können. Die Auseinandersetzung mit dem Zusammenwirken von gesellschaftlicher Lebensweise, privater Lebensführung und individuellen Lebensstilen erweist sich dabei als bedeutsam.
Schlüsselwörter: Lebensführung, Daseinsvorsorge, Lebensqualität, Ernährungs- und Verbraucherbildung
The contribution examines the question of how household education can be implemented as nutrition and consumer education so that young people can put into practice their individual ideas of a „good“ and „successful“ life in a self-determined and responsible manner. The examination of the interaction of social lifestyle, private conduct of life and individual lifestyles is proving to be important.
Keywords: conduct of life, providing for one's life, quality of life, nutrition and consumer education

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1 Einleitung

Lebensführung wird hier verstanden als die Zusammenführung der je individuellen Vorstellungen über ein „gutes“ und „gelingendes“ Leben zu einem für das Individuum kohärenten Ganzen, indem „das eigene Leben reflexiv [gestaltet] und an Grundsätzen ausgerichtet wird, die Sinn und Bedeutung für die fragliche Persönlichkeit stiften“ (Müller, 2017, S. 31).

In diesem Artikel geht es darum zu klären, welchen Beitrag eine haushaltsbezogene Bildung für Lebensführung und Alltagsbewältigung leisten kann, um Menschen auf die Aufgaben der kommenden Jahrzehnte so vorzubereiten, dass sie auch zukünftig ihre individuellen Vorstellungen eines „guten“ und „gelingenden“ Lebens umsetzen können. Um dieser Frage nachzugehen, wird zunächst dargestellt, welche Folgewirkungen die Lebensweise der Konsumgesellschaft mit sich bringt. Anschließend werden „Gegenmodelle“ zu dieser Lebensweise diskutiert, die im gesellschaftlichen

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Johanna Michenthaler & Anne von Laufenberg-Beermann
Hauswirtschaftliche (Berufs-)Bildung braucht Orientierung am nachhaltigen Mindset

Mit dem ProfESus-Konzept ist es gelungen, aktuelle pädagogische Ansätze mit den Forderungen der Nachhaltigkeitsbildung zu verknüpfen und Unterrichtskonzepte erfolgreich zu implementieren. Lehrkräfte der hauswirtschaftlichen Berufsbildung erhalten konkrete Hinweise für die innovative Gestaltung von Unterricht. Damit können diese einen wesentlichen Beitrag für die Zukunftsfähigkeit der Hauswirtschaft leisten.
Schlüsselwörter: Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE), Blended Learning-Kurs, Nachhaltiges Mindset, Lehrerbildung, Evaluierung, ProfESus
With the
ProfESus concept, it has been possible to link current pedagogical approaches with the demands of sustainability education and to successfully implement teaching concepts. Teachers of home economics vocational training receive concrete tips for the innovative design of teaching. In this way, they can make a significant contribution to the future viability of home economics.

Keywords: Education for Sustainable Development (ESD), blended learning course, sustainable mindset, teacher training, evaluation, ProfESus

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1 Gesellschaftspolitische Forderungen an die Berufsbildung

Laut UNESCO (2015) sind folgende Schlüsselaspekte für eine innovative Bildung hervorzuheben: „Die Welt verändert sich – auch die Bildung muss sich ändern!“ Dabei müssen wir die Bildung in einer sich verändernden Welt neu durchleuchten (vgl. UNESCO, 2015, S.4 ff.).
Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) fordert die Lerner-zentrierte Gestaltung von Unterricht, sowie vielfältige Lernumgebungen – physisch, online und virtuell –, welche Lernende inspirieren im Sinne der Nachhaltigkeit zu handeln. Durch Interaktion soll exploratives, handlungsorientiertes und transformatives Lernen ermöglicht werden.
Durch die Orientierung an Lernergebnissen und die Stimulierung des Lernens müssen Kernkompetenzen wie kritisches und systemisches Denken, kooperative Entscheidungsfindung und Übernahme von Verantwortung für gegenwärtige und zukünftige Generationen gefördert werden.